Vanessa Höving
Hagen
Hagen
Institut für deutsche Sprache und Literatur I
Neinsagen. Konsum- und Körperökonomien des Verzichts in der Gegenwartsliteratur
Verzichtsentscheidungen sind plausibilisierungsbedürftig und produzieren dadurch Erzählungen am laufenden Band. Ausgehend davon widmet sich das gemeinsame Projekt gegenwartsliterarischen Verzichtsnarrativen und den sich in ihnen äußernden Konsum- und Körperökonomien. Subjektive Verzichtsleistungen sind überindividuell-institutionell durchwirkt und (beispielsweise) durch ethische, moralische, gesundheitliche oder ökonomische Faktoren geprägt. Sie bergen weiterhin einen veritablen inszenatorisch-performativen Spielraum, nicht zuletzt auch deshalb, weil der erklärungsbedürftige Akt des Verzichtens zuverlässig Aufmerksamkeit generiert. Auch im Bereich des literarischen Feldes ist ein zunehmende Interesse an Figuren des Verzichts im Bezug zur komplementären Figur des Exzesses auffällig. Das Projekt setzt die ‚Kulturtechnik des Verzichts‘ ins Verhältnis zu den Kulturtechniken des Erzählens und Schreibens. Es adressiert Formen und Funktionen gegenwartsliterarischer Verzichtsnarrative anhand zweier Schwerpunkte: Zum einen sollen Verhandlungen von Nahrungs- und Genussmittelverzicht und die sie umgebenden diskursiven und ästhetischen Äußerungsformen im Fokus stehen; zum anderen das Verhältnis von institutionell erwünschten, unter dem Imperativ der Optimierung stehenden Verzichtsgeboten und der Geste der Verweigerung als intendiertem Verzicht auf die Unterwerfung unter die scheinbar allgegenwärtigen kapitalistischen Spielregeln. Verhandelt wird damit nicht zuletzt auch die von der Literatur dringlich gestellte Frage nach einem ‚außerhalb‘ des Systems.
Vanessa Höving, Dr. phil., ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft der FernUniversität in Hagen. 2017 wurde sie an der Universität zu Köln promoviert mit der Arbeit „Projektion und Übertragung. Medialitätsverhandlungen bei Droste-Hülshoff“ (Freiburg i.Brsg. 2018). Die Arbeit wurde gefördert durch ein Promotionsstipendium des Cusanuswerks. Vanessa Höving studierte Deutsche Sprache und Literatur und English Studies an der Universität zu Köln, der University of Helsinki und der Washington University in St. Louis, MO (USA).
Monografie
Projektion und Übertragung. Medialitätsverhandlungen bei Droste-Hülshoff, Freiburg i.Brsg., Rombach 2018 (=Litterae 230).
Herausgaben
(in Vorbereitung) Text/Körper. Ästhetiken und Praktiken literarischer (Un-)Sichtbarkeit, hg. von Vanessa Höving und Lena Wetenkamp, Baden-Baden, Rombach 2024 (=Texturen).
(in Vorbereitung) Ars metabolica. Stoffwechsel und Digestion als literarische und kulturelle Prozesse, hg. von Vanessa Höving und Peter Risthaus, Baden-Baden, Rombach 2023.
Vexierbilder. Autor:inneninszenierung vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, hg. von Alina Boy, Vanessa Höving und Katja Holweck, Paderborn, Fink 2021 (=Medienkulturwissenschaft 1).
Christoph Schlingensief: Resonanzen, hg. von Vanessa Höving, Katja Holweck und Thomas Wortmann, München, edition text + kritik 2020.
Aufsätze und Artikel
(im Druck) „In Ink We Trust. Literarische body modification in Silke Scheuermanns Tattootexten“, in: Andrea Bartl, Antonia Villinger (Hg.), Ethik der Natur, Ethik der Stadt. Studien zum Werk Silke Scheuermanns, Würzburg, Königshausen & Neumann 2023 (=Literatur & Gegenwart 7), S. 123-136.
„Écriture métabolique. Stoffkreisläufe im ‚Kater Murr‘“, in: Claudia Liebrand, Harald Neumeyer, Thomas Wortmann (Hg.), E.T.A. Hoffmanns „Kater Murr“: Neue Lektüren, Baden-Baden, Rombach 2022 (=Texturen 4), S. 215-236.
„Filiationsfiktionen und Autorinnenschaft. Drostes ‚Walther‘“, in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen 259:1 (2022), S. 15-28.
„It’s a dirty job, but somebody’s gotta do it. Müll bei Schlingensief“, in: Vanessa Höving, Katja Holweck,Thomas Wortmann (Hg.), Christoph Schlingensief: Resonanzen, München, edition text + kritik 2020, S. 45-58.
„Inkorporation und Analität“, in: Moritz Baßler, Hubert Winkels (Hg.), Raabe und heute. Wie Literatur und Wissenschaft Wilhelm Raabe neu entdecken, Göttingen: Wallstein 2019, S. 209-232.
Dr. Vanessa Höving
Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft
Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Mediengeschichte
FernUniversität in Hagen
Universitätsstraße 33
58084 Hagen
Erich Auerbach Institute for Advanced Studies
Aufenthalt: 01.11.2023-31.01.2024
E-Mail: vanessa.hoeving(at)fernuni-hagen(dot)de