Laura Katharina Mücke | Auerbach Lectures 15.06.2026
Queerfeminist Proletarian Dreams
Eine Kritik bürgerlicher Subjektbegriffe zu ‚frühen‘ Kino-Publika um 1910
Abstract
Die Lecture setzt sich mit den theoretischen Konsequenzen auseinander, die in filmwissenschaftlichen Sichtweisen auf frühe Kino-Öffentlichkeiten um 1910 aus der Tatsache entstanden sind, dass in den Archiven nahezu ausschließlich männliche Quellen dokumentiert liegen. Aus diesen Quellen sind zuvorderst bürgerliche Stimmen und viktorianische Medienmodelle in die Theoriebildung eingeflossen, deren Ontologisierung zudem eine bis heute gültige patriarchale Hierarchisierung von Rezipient:innen ermöglicht hat, in denen u.a. Frauen, Queers, Arbeitslose und ethnische Minderheiten auf der Basis zugeschriebener Stereotype abgewertet wurden. Der Vortrag versteht sich dabei nicht nur als Kritik an einer selbst prekären Archiv-Praxis und deren männlich geprägter Auslese, sondern auch als Kritik an feministischen filmwissenschaftlichen Positionen aus den 1990er-Jahren, in denen die Zuwendung zu weiblichen Kino-Öffentlichkeiten ebenfalls über bürgerliche, zudem aber auch weibliche Stereotype und hermetische Medien-Vorstellungen fortgeschrieben wurde. Inspiriert von Sabine Hakes Buch „The Proletarian Dream“ (2017) geht der Vortrag stattdessen auf Spurensuche nach queeren und queerenden proletarischen Öffentlichkeiten in jener Filmpublizistik, die zeigen können, dass weder weibliche Unterwürfigkeit noch proletarische Naivität den Alltag der Menschen mit Film dominierten. Auf proletarische Öffentlichkeitsbegriffe aus der Frauen- und Geschlechtergeschichte der 1980er-Jahre wird dabei ebenso Bezug genommen wie auf die Theorien zur Ästhetischen Erfahrung der Ästhetiktheoretikerinnen Vernon Lee (1856-1935) und Lu Märten (1879-1970).
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Ort & Zeit
Bibliothek Erich Auerbach-Institut, Weyertal 59 (Rückgebäude, 3. OG), 50937 Köln |
Montag, 15.06.2026 | 18:00 Uhr
Kontakt
Maximilian Kloppert
E-Mail: m.kloppert(at)uni-koeln(dot)de