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Bryan Norton | Auerbach Lectures 01.06.2026

‚Where did critique run out of steam?’

Eine Dorfgeschichte der Biosphäre

Geänderter Titel: Realismus damals und heute. Die Nekropolitik der Biosphäre

So wie man gelernt hat, die Sonne in eine Anzahl konzentrischer Hüllen zu zerlegen, kann man wohl auch die Erde in Hüllen teilen, deren jede allerdings in vielfacher Verbindung mit der nächstfolgenden steht [...] Eines scheint fremdartig an diesem großen, aus Sphären gebildeten Himmelskörper, nämlich das organische Leben. (Eduard Suess)

So führte der österreichischer Geologe Eduard Suess das uns bekannte Biosphärekonzept ein. Nach näherer Untersuchung bzw. Popularisierung vom russisch-ukrainischen Geochemiker Vladmir Vernadsky gewann das Konzept ein halbes Jahrhundert später noch weiter an Prägnanz. Laut Vernadsky wird der Naturwissenschaft zum ersten Mal eine stabil wirkende konzeptuelle Schnittstelle verliehen, die zwischen menschengemachter Kunst und  nichtmenschlicher Natur vermitteln kann. Zugleich tritt die Biosphäre als Art ontologischer Oberfläche auf, worauf die längst umstrittenen Unterschiede zwischen lebendigen und nicht lebendigen Phänomenen dekomponiert und erneut komponiert werden können. 

In dieser Lecture wird ein näherer Blick auf diese Wissens- und Begriffsgeschichte der Biosphäre geworfen, sowie auf die von Suess und Vernadsky entworfene Vorgeschichte des Begriffs. Anhand des von Achille Mbembe geprägten Begriffs der Nekropolitik wird darauf erzielt, eine kritische Perspektive auf die Rolle der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Planeten in der Entwicklung des literarischen Realismus im 19 Jahrhundert zu gewinnen. Dazu werden eventuell unvorhergesehene ontologische und historische Horizonte eröffnet, die die kritischen Diskussionen vom Raum und terrestrischen Leben im Anthropozän nicht unbewegt lassen mögen.

Ort & Zeit

Bibliothek Erich Auerbach-Institut, Weyertal 59 (Rückgebäude, 3. OG), 50937 Köln |
Montag, 01.06.2026 | 18:00 Uhr

Kontakt

Maximilian Kloppert
E-Mail: m.kloppert(at)uni-koeln(dot)de