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Ausschreibung Fellowships Sommersemester 2027

Das EAI vergibt für das Sommersemester 2027 bis zu 9 Junior- und Senior-Fellowships. Die Deadline läuft noch bis zum 31. Oktober.

Das Erich Auerbach Institute for Advanced Studies der Universität zu Köln vergibt für das Sommeremester 2027

  • bis zu vier Senior Fellowships für einen Zeitraum von ein (bis max. zwei Monaten) 
  • bis zu fünf Junior Fellowships für einen Zeitraum von ein bis drei Monaten

Den Mitgliedern der Fakultät bietet das Auerbach-Institut den Raum, innovative Forschungs­konzepte in Zusammenarbeit mit internationalen Kolleg:innen zu entwickeln und interdisziplinäre Schnittstellen auszuloten. 

Fellowships

Die Ausschreibung richtet sich an den Kreis der 

  • hauptamtlichen Professor:innen und
  • promovierten Beschäftigten 

der Philosophischen Fakultät (Host), die sich gemeinsam mit auswärtigen, i.d.R. internationalen 

  • herausragenden erfahrenen Forscher:innen (Senior Fellows) oder
  • jungen aufstrebenden Forschenden nach der Promotion (Junior Fellows) 

bewerben. Adressiert werden Fellows, mit denen bereits eine Kooperation besteht oder eine intensivere Zusammenarbeit angestrebt wird. Der Zeitraum des Fellow­ships sollte innerhalb der Kölner Vorlesungszeiten vom 5. April bis zum 16. Juli 2027 liegen.

Neben den projektbezogenen Forschungen mit dem Host halten die Fellows einen Vortrag im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung des Auerbach-Instituts. Das Fellowship bietet den Freiraum, das jeweilige Projekt voranzubringen sowie Kontakte zu Kolleg:innen der Fakultät zu knüpfen und auszubauen. Hierzu dienen etwa ein eigener Arbeitsplatz und die Möglichkeit, eigene Workshop- und Tagungsformate zu gestalten. 

Inhaltlicher Schwerpunkt

Der Schwerpunkt der Forschungen am Auerbach-Institut liegt im Sommersemester 2027 auf dem Thema Kohäsion – Formen und Praktiken des Verknüpfens und Auflösens. Gegenwärtige Krisen werden in öffentlichen Debatten häufig als Ausdruck eines Verlusts sozialer Kohäsion interpretiert. Aus geistes- und kulturwissenschaftlicher Perspektive lässt sich gesellschaftliche Fragmentierung jedoch meist nicht nur auf ein Fehlen von Zusammenhalt zurückführen, sondern vielmehr auch auf das Spannungsverhältnis konkurrierender, jeweils starker Formen von Kohäsion.

Der Jahresschwerpunkt greift die Vielfalt geistes- und kulturwissenschaftlicher Perspektiven auf, um den Begriff der Kohäsion kritisch zu hinterfragen und konzeptionell neu zu bestimmen. Anstatt Kohäsion als universell messbare oder inhärent positive Eigenschaft sozialer Systeme zu verstehen, rückt er ihre historische, kulturelle und relationale Hervorbringung in den Mittelpunkt. Kohäsion erscheint damit zunächst als historisch situierte Behauptung über soziale Ordnung. Im Fokus steht die Frage, wie unterschiedliche Gesellschaftsformen – von verwandtschaftsbasierten Gemeinschaften bis hin zu modernen Nationalstaaten – Zusammenhalt artikulieren, herstellen und aushandeln. Fragmentierung ist in diesem Zusammenhang nicht notwendigerweise als Auflösung sozialer Bindungen zu verstehen, sondern kann ebenso die Entstehung alternativer Formen von Kohäsion anzeigen, etwa in extremistischen Milieus oder digitalen Gegenöffentlichkeiten. Kohäsionskräfte sind folglich weder per se normativ wünschenswert noch demokratisch.

Im Unterschied zu einer vorwiegend westlich und gegenwartsorientierten Sozialforschung verbindet der Jahresschwerpunkt eine Longue-durée-Perspektive – vom Alten Ägypten bis in die Gegenwart – mit transregionalen Zugängen, insbesondere mit Blick auf den Globalen Süden. Zugleich geht er davon aus, dass sozialer Zusammenhalt nicht allein durch geteilte Werte oder Normen entsteht, sondern ebenso durch materielle Infrastrukturen, Artefakte und gebaute Umwelten, die soziale Formationen stabilisieren, transformieren oder irritieren. An diese Überlegungen können insbesondere medienkulturwissenschaftliche, infrastrukturelle und netzwerktheoretische Ansätze anschließen.

Die geisteswissenschaftliche Perspektive verortet diese Fragestellungen in einer langen Ideengeschichte, die von Ibn Khalduns Konzept der ʿasabiyyah über Durkheims Theorie der Solidarität bis hin zu neueren Assemblage-, Akteur-Netzwerk- und Differenztheorien (u. a. Bruno Latour, Judith Butler und Cornelius Castoriadis) reicht. Damit greift der Jahressschwerpunkt zentrale Anliegen der Forschungsinitiative „In|Cohesion. Post-Anthropocentric and Transregional Perspektives on Practices, Materials, and Environments of Togetherness“ an der Philosophischen Fakultät auf. Das Ziel ist es, die begriffliche Offenheit von Kohäsion als heuristisches Potenzial für den Austausch zwischen Fellows und Hosts am Auerbach-Institut produktiv zu machen und über die Grenzen primär quantitativer Sozialforschung hinaus ein differenziertes Verständnis von Prozessen der Vergemeinschaftung und ihrer Auflösung zu entwickeln. 

Auswahl

Auswahlkriterien für die Fellowships sind akademische Qualifikation und Originalität des vorgeschlagenen gemeinsamen Projekts sowie der Beitrag des Projekts zum Ausbau nachhaltiger internationaler Beziehungen. Die Auswahl trifft der wissenschaftliche Beirat des Auerbach-Instituts. 

Bewerbung

Bewerbungen bestehen aus (bitte zu einer PDF-Datei zusammenfügen):

  • einem ein- bis zweiseitigen Anschreiben (mit Angaben zur präferierten Aufenthaltsdauer)
  • einem Lebenslauf des:der geplanten Fellows
  • einer Publikationsliste des:der Gastgeber:in und des:der geplanten Fellows
  • einem Proposal für ein gemeinsames Forschungsprojekt im Umfang von max. 2000 Wörtern
  • einer Zusammenfassung von max. 200 Wörtern, die die Signifikanz des Projekts auch für Fachfremde veranschaulicht

Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2026.

Bitte richten Sie Bewerbungen in digitaler Form an den Wissenschaftlichen Geschäftsführer des Auerbach-Instituts, der Ihnen auch für Rückfragen zur Verfügung steht: 

Apl. Prof. Dr. Martin Roussel
martin.roussel(at)uni-koeln.de


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