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Wintersemester 2026/27

Ausschreibung Fellowships (Junior/Senior)

 

Das Erich Auerbach Institute for Advanced Studies der Universität zu Köln vergibt für das Wintersemester 2026/27

  • bis zu vier Senior Fellowships für einen Zeitraum von ein (bis max. zwei Monaten)
  • bis zu fünf Junior Fellowships für einen Zeitraum von ein bis drei Monaten

Den Mitgliedern der Fakultät bietet das Auerbach-Institut den Raum, innovative Forschungs­konzepte in Zusammenarbeit mit internationalen Kolleg:innen zu entwickeln und interdisziplinäre Schnittstellen auszuloten. 


Fellowships

Die Ausschreibung richtet sich an den Kreis der 

  • hauptamtlichen Professor:innen und
  • promovierten Beschäftigten 

der Philo­so­phi­schen Fakultät (Host), die sich gemeinsam mit auswärtigen, i.d.R. internationalen 

  • herausragenden erfahrenen Forscher:innen (Senior Fellows) oder
  • jungen aufstrebenden Forschenden nach der Promotion (Junior Fellows) 

bewerben. Adressiert werden Fellows, mit denen bereits eine Kooperation besteht oder eine intensivere Zusammenarbeit angestrebt wird. Der Zeitraum des Fellow­ships sollte innerhalb der Kölner Vorlesungszeiten vom 12. Oktober 2026 bis zum 5. Februar 2027 liegen.

Neben den projektbezogenen Forschungen mit dem Host halten die Fellows einen Vortrag im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung des Auerbach-Instituts. Das Fellowship bietet den Freiraum, das jeweilige Projekt voranzubringen sowie Kontakte zu Kolleg:innen der Fakultät zu knüpfen und auszubauen. Hierzu dienen etwa ein eigener Arbeitsplatz und die Möglichkeit, eigene Workshop- und Tagungsformate zu gestalten. 


Inhaltlicher Schwerpunkt

Der Schwerpunkt der Forschungen am Auerbach-Institut liegt im Wintersemester 2026/27 auf dem Thema „Öffentlichkeit(en)". – Öffentlichkeit ist für eine Gesellschaft der Raum des Austauschs über Fragen des gemeinschaftlichen Lebens. Diese Freiheit zur nicht-privaten Debatte, zur Publikation wie zum politischen Handeln ist immer schon eine bedingte gewesen, von der griechischen Agora und dem römischen Forum (mit dem Ausschluss der „Unfreien“) über den absolutistischen Fürstenhof bis zur Theater- und Salonkultur des Bürgertums im 18. und 19. Jahrhundert, die von der humanistischen Bildungsutopie getragen wurde. In den immer größer formierten sozialen Sphären der Moderne – von den ökonomischen Verflechtungen der ‚Nationalstaaten‘ über Radio und Fernsehen bis zu den Plattformen des digitalen Zeitalters – spielen Medien dabei eine immer wichtigere Rolle. Ein solcher „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Jürgen Habermas) hat den Weg hin zu Massengesellschaften ermöglicht und die bürgerliche Öffentlichkeit der Wohlstandsgesellschaften als Kernelement demokratischen Gemeinwesens entstehen lassen. Aus heutiger Sicht stellen Medien zugleich das Dispositiv einer Pluralisierung, Facettierung und in Teilen Separierung des öffentlichen Raumes dar. Dem korrespondieren in weiten Teilen der westlichen demokratischen Gesellschaften Veränderungen des politischen Klimas. Die aktuell weltweit zu beobachtende Verschiebung liberaler Demokratien in Richtung Illiberalismus, „competitive Autoritarianism“ und Faschismus gibt Anlass, erneut nach den Funktionsweisen der Öffentlichkeit sowie den Strategien ihrer Zerstörung zu fragen. 

Welche neuen Formen des Öffentlichen lassen sich angesichts des digitalen Wandels identifizieren, welche sozialen und politischen, aber auch kulturellen und medialen Praktiken gestalten den öffentlichen Raum, und inwieweit lassen sie sich als kritisches Instrument in und für Demokratien verstehen? Bietet gerade die Pluralisierung konkurrierender Öffentlichkeiten die Chance, die „nostalgische Trope“ (Seyla Benhabib) zu revitalisieren und Aspekte deliberativer Politik (Habermas) oder eines „sensus communis“ (Hannah Arendt) neu zu diskutieren, ohne Fragen der Exklusion, der Ungleichheit und der Teilhabe außer Acht zu lassen? In welchem Verhältnis zueinander stehen das Politische, das Soziale und das Private in den unterschiedlichen Öffentlichkeitsmodellen, welche Gemeinschaftsvorstellungen werden von ihnen adressiert, und wie verhält sich der Diskurs über die Öffentlichkeit zu staatlichen Institutionen und zu den Sphären des Rechts, der Kultur und den Wissenschaften? Welche Funktion kommt der Leitunterscheidung öffentlich/privat in Zeiten einander überlagernder Sphären und der Veränderung sozialer Räume in „social media“ zu, wenn einerseits der (semi-)öffentliche Austausch immer stärker in die „Privatsphäre“ hineinwirkt, andererseits das „Öffentliche“ immer segmentierter und exklusiver erscheint? 

Neben gegenwartsbezogenen und systematischen Analysen lädt der Jahresschwerpunkt auch zu historischen Konturierungen von Öffentlichkeiten ein. Soziale und politische Dynamiken, Vernetzungen ebenso wie Streitkulturen im öffentlichen Raum oder die Bewegungen und Veränderungen, die Objekte im Eintreten oder Durchqueren öffentlicher Sphären erfahren, sind genauso von Interesse wie eine historisch orientierte Begriffsarbeit. 


Auswahl

Auswahlkriterien für die Fellowships sind akademische Qualifikation und Originalität des vorgeschlagenen gemeinsamen Projekts sowie der Beitrag des Projekts zum Ausbau nachhaltiger internationaler Beziehungen. Die Auswahl trifft der wissenschaftliche Beirat des Auerbach-Instituts. 


Bewerbung

Bewerbungen bestehen aus (bitte zu einer PDF-Datei zusammenfügen):

  • einem ein- bis zweiseitigen Anschreiben (mit Angaben zur präferierten Aufenthaltsdauer)
  • einem Lebenslauf des:der geplanten Fellows
  • einer Publikationsliste des:der Gastgeber:in und des:der geplanten Fellows
  • einem Proposal für ein gemeinsames Forschungsprojekt im Umfang von max. 2000 Wörtern
  • einer Zusammenfassung von max. 200 Wörtern, die die Signifikanz des Projekts auch für Fachfremde veranschaulicht

Bewerbungsschluss ist der 30. April 2026.

Bitte richten Sie Bewerbungen in digitaler Form an den Wissenschaftlichen Geschäftsführer des Auerbach-Instituts, der Ihnen auch für Rückfragen zur Verfügung steht: 

Apl. Prof. Dr. Martin Roussel
martin.roussel(at)uni-koeln(dot)de