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Marie Luise Knott

Berlin

Host: Christof Hamann

Institut für Deutsche Sprache und Literatur I

01.05.–31.05.2026

Forschungsprojekt

Der Raum der Dichtung

Hannah Arendt gilt als eine der großen Verteidigerinnen, wenn nicht Neuerfinderinnen des öffentlichen Raums aus der Erfahrung des Totalitarismus heraus – ein Raum, der immer wieder neu erobert, um den immer wieder öffentlich gestritten werden muss. Wo immer Menschen zusammenkommen, schreibt sie sinngemäß, schiebt sich Welt zwischen sie, und in diesem Zwischen spielen sich alle menschlichen Angelegenheiten ab. Von diesen menschlichen Angelegenheiten handelt die Politik, und sie bedarf der Pluralität. Der Vielstimmigkeit.
Unser bedrohtes Heute braucht mehr denn je die Stimmen der Vielen aus Vergangenheit wie Gegenwart – Stimmen, die sich assoziierend assoziieren, gehört, gelesen und erfahren werden, um die Welt immer neu auszuhandeln. Denn jede Vielstimmigkeit raubt der Gegenwart den "falschen Frieden" einfacher eindimensionaler Gewissheiten und Selbstzufriedenheiten. Der Lyrik mit ihrer Oralität, ihren Brüchen und Verdichtungen, ist das Gespräch inhärent. Viele Dichter*innen pflegen den Dialog mit anderen Stimmen explizit, sowohl im Übersetzen anderer Dichter*innen als auch in ihren eigenen Werken, so ensteht eine "commune présence" (René Char) von Lebenden und Toten über die Zeiten hinweg.

In unserem Projekt fragen wir: Welche eigene Kraft und Möglichkeit hat poetisches Schreiben und Handeln? Welchen Raum stellt Dichtung bereit? Welchen Raum schafft sie in uns, im Öffentlichen? Kann man auch Gedichte als eine Agora denken?

Vita

Nach dem Studium arbeitete sie lange Jahre zunächst als Verlagslektorin, später als Übersetzerin französischer Literatur, bevor sie von 1995-2006 die deutschsprachige Ausgabe der französischen Monatszeitung Le Monde diplomatique gründete und leitete. Seither lebt sie als freie Essayistin, Kritikerin, Herausgeberin, Kuratorin und Übersetzerin (insb. von Anne Carson).
2006 kuratierte sie mit Barbara Hahn eine erste große Ausstellung zu Hannah Arendt und ihrem Verhältnis zur Dichtkunst.Seither zahlreiche Buch-Veröffentlichungen sowie Essays und Aufsätze in Sammelbänden, Ausstellungskatalogen und Zeitschriften. Zahlreiche Lehrtätigkeiten und mehrere Auszeichnungen.

Forschungsschwerpunkte

Internationale Dichtung und Literatur; Hannah Arendt; Tendenzen zeitgenössischer
Kunst; jüdische Geschichte.

Ausgewählte Publikationen
Monographien

Die Gesänge der Tagtigall, Kolumnen zur Poesie, Berlin: Matthes und Seitz, ET: Juli 2026.


370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive, Hannah Arendt und Ralph Waldo Ellison, Berlin: Matthes & Seitz, 2022.

Dazwischenzeiten. 1930 – Wege in der Erschöpfung der Moderne, Berlin: Matthes & Seitz, 2017.

Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt, Berlin, Matthes & Seitz, 2011. 

Hannah Arendt. Von den Dichtern erwarten wir Wahrheit, Schriften des Literaturhauses Berlin, Band 17, zusammen mit Barbara Hahn, Berlin: Matthes & Seitz, 2007.

Herausgaben (eine Auswahl)

Barbara Köhler, Schriftstellen, hg. und mit einem Nachwort von Marie Luise Knott, Berlin: Suhrkamp Verlag, 2024.

Die Hochsee der Ilse Aichinger. Ein unglaubwürdiger Reiseführer zu ihrem 100. Geburtstag, herausgegeben zusammen mit Uljana Wolf, Heidelberg: Wunderhorn Verlag, 2021.


Hannah Arendt, Was heißt persönliche Verantwortung unter der Diktatur, herausgegeben und mit einem Essay von Marie Luise Knott ("Auf der Suche nach den Grundlagen für eine neue politische Moral"), München: Piper Verlag, 2018.

Hannah Arendt, Zur Zeit. Politische Essays, Berlin: Rotbuch Verlag, 1986.

Kontakt

Dr. Marie Luise Knott

Erich Auerbach Institute for Advanced Studies
​​​​​​​E-Mail: mailto:marieknott(at)gmail(dot)com