Katrin Köppert
Berlin
Berlin
Kulturen und Theorien des Populären
Screenshot, Repost, Like: Digitale Überwachung und Faschisierungsbegehren
Der Repost als Paratext, der Screenshot als Schnappschuss, der Like als Affektkommentar: Eigentlich Ausdruck mikrologisch bricolagierender Internetkulturen, haben diese Objekte unter den aktuellen Bedingungen der Faschisierung als Medien der Evidenzerzeugung Konjunktur. Sie sollen politisch missliebige Einstellungen bezeugen und strafrechtsrelevante Tatbestände nachweisen. Im Sinne ebenjener Nachweisfunktion lassen sie sich als Überwachungsmedien verstehen. Die Kleinteiligkeit dieser Medienobjekte scheint Kontrolle dabei als „Mikrophysik der Macht“ (Foucault) zu zementieren. Das Subjekt, das es anhand der Beobachtung, Erfassung und Protokollierung dieser Medienobjekte zu disziplinieren und zu sortieren gilt, ist jedoch nur noch bedingt adressiert aufgrund der Infrastrukturen der Kontrollgesellschaft (Deleuze), die – den mikrofaschistischen Logiken (Guattari) ähnlich – von seriellen, postpsychologischen Existenzen (Banaji) bestimmt sind und ein ideologisches Metanarrativ vermissen lassen. Entsprechend sind die medialen Mikrokulturen des Reposts, Screenshots und Likes im Zusammenhang von Datensammlungen zu betrachten, die Individualsubjekten nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können (Matzner). Die algorithmisch mobilisierte Zerstreuung individueller Daten verschränkt sich mit einer mikrofaschistischen Affektkultur. In dieser herrscht nur noch die Möglichkeit – anstelle der Wahrscheinlichkeit – einer bösen Überraschung oder aufwieglerischen Geste. Der Übergang von einem präventiven (Davis) zu einem präemptiven (Massumi) Faschismus soll im Rahmen des Projekts im Komplex dehumanisierender Technologien algorithmischer Prädiktion diskutiert werden – auch um zu verstehen, inwiefern Reposts, Screenshots und Likes unmittelbar zu Handlungen wie Kündigungen, Ausladungen und Absagen anstiften und dabei wiederum Subjekte differentiell entlang von Ungleichheitskategorien erzeugen.
Katrin Köppert is an art and media scholar. She completed her doctorate as part of the DFG Research Training Group “Gender as a Category of Knowledge” at Humboldt University Berlin and Carl von Ossietzky University Oldenburg. She is currently a substitute professor for media theories at Humboldt University Berlin and junior professor for art history/popular cultures at the Academy of Fine Arts Leipzig. She co-directs the VW-funded project “Digital Blackface. Racialized Affect Patterns of the Digital” and the DFG research network “Gender, Media and Affect”. She also held the substitute professorship for Transformations of Audiovisual Media with a Special Focus on Gender/Queer Theory at the Ruhr University Bochum and worked as a research assistant and visiting fellow at Berlin University of the Arts, University of the Arts Linz, LSE London, USC Los Angeles, and University of Siegen.
Prof. Dr. Katrin Köppert
Kunst- und Medientheorien
Institut für Musik- und Medienwissenschaft
Humboldt Universität zu Berlin
Erich Auerbach Institute for Advanced Studies
Aufenthalt: 01.05.–30.06.2025
E-Mail: katrin.koeppert(at)hu-berlin(dot)de