Janek Scholz
Leipzig
Leipzig
Romanistik
Poetische Übersetzungsspiele zwischen physis und logos. Tierliche Agency in zoopoetischen Texten aus Lateinamerika
Ausgehend von Bruno Latour und Donna Haraway verstehen wir Wissen als das Ergebnis komplexer Interaktionen der Menschen mit ihrer belebten und unbelebten Umwelt. Soziale Akteure, die an dieser Koproduktion von Wissen teilhaben, sind folglich neben menschlichen auch nicht-menschliche Tiere, wobei das In-Beziehung-Treten zumeist affektiv und/oder körperlich erfolgt. Sobald diese Formen praxeologischen Wissens beschrieben, erforscht und gedeutet werden sollen, bedarf es eines Übersetzungsvorganges, der es in die Sphäre menschlicher Logik überführt. Um zu verkörpertem Wissen vorzudringen, ist es im Sinne der Human-Animal Studies dringend angezeigt, die menschliche Subjektposition nachhaltig zu hinterfragen. Damit dies gelingen kann, ist ein irritatives Momentum nötig, das am stärksten über lyrische Sprache erreicht werden kann, da diese seit jeher dafür genutzt wird, die Grenzen der Sprache auszudehnen und zu erforschen und so für praxeologisches Wissen zu öffnen. Die zentrale Forschungsfrage des vorliegenden Projektes lautet daher, wie zoopoetische Texte aus Lateinamerika vorgehen, um tierliche Agency mit Mitteln menschlicher Sprache abzubilden. In zwei Teilprojekten untersuchen wir Gedichte aus Brasilien, Chile und Peru, in denen von den Lebens- und Erfahrungswelten der lokalen Fauna berichtet wird und die versuchen, mittels menschlicher Sprache diese spezifischen Erfahrungs- und Empfindungsräume zu beschreiben.
Janek Scholz absolvierte sein Masterstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Università degli Studi di Napoli, L'Orientale. Im Dezember 2020 promovierte er an der Universität Wien mit einer Dissertation über den Kartenleger in der brasilianischen Literatur. Die Dissertation untersucht die metapoetologische Funktion dieser literarischen Figur im Kontext des Globalen Südens. Seit 2014 arbeitete er an der Universidade Federal do Ceará (Brasilien), an der RWTH Aachen und an der Universität zu Köln, wo er im Sommersemester 2024 als Vertretungsprofessor für Lateinamerikastudien mit Schwerpunkt Brasilianistik tätig war. Er erhielt ein Stipendium der Martin Buber Society of Fellows an der Hebräischen Universität Jerusalem für das akademische Jahr 2024/2025 und arbeitet derzeit am Institut für Romanistik der Universität Leipzig.