Cornelia Logemann
München
München
Kunsthistorisches Institut
01.05.–15.06.2026
Auf vielerlei Weise werden die Sichtachsen und Zugänge der Festereignisse inszeniert. Festberichte das große Bankett anläßlich des Besuchs Karls IV. am französischen Hof im Jahre 1378 legen ausgeklügelte Choreographien offen, die in den Überlieferungsträgern höchst unterschiedlich umgesetzt werden. Dabei sind Bankette dieser Größenordnung auf verschiedene Öffentlichkeiten hin ausgerichtet. Die dem Ereignis inhärente theatralische Oberfläche adressiert verschiedene Gruppen – zunächst innerhalb der Veranstaltungen, dann, in der oft nachzeitigen Dokumentation, ein interessiertes Publikum außerhalb des Festrahmens. Die Multifokalität des Ereignisses tritt oft deutlich hervor. Während die materiellen Relikte solcher Feierlichkeiten wie Festarchitekturen, Prunkgefäße und Ausstattungselemente seit langem im Fokus der Kunstgeschichte stehen, sind die unterschiedlichen Sichtbarkeiten dieser Dinge weitestgehend unklar. Das Projekt möchte untersuchen, mit welchen Öffentlichkeiten die Prunkobjekte und Schaugerichte der gut dokumentierten Bankette vergangener Jahrhunderte rechnen konnten.
Cornelia Logemann studierte Kunstgeschichte, Ethnologie und französische Literaturwissenschaften an der Universität Hamburg. Nach ihrer Promotion 2005 leitete sie u. a. von 2008-13 eine Nachwuchsgruppe zum Thema "Prinzip Personifikation" im Transcultural Studies Program der Universität Heidelberg. Nach ihrer Habilitation an der Universität Heidelberg 2018 erfolgten Vertretungsprofessuren in Bielefeld, München und Heidelberg. Von 2022-2025 war sie Professorin für Kunstgeschichte des 15.-17. Jahrhunderts an der Universität Graz.
Das große Fressen: Tapisserien und Texte der Condamnation de Banquet [Quellen zur Kunst 36], Baden-Baden 2021.
Prinzip Personifikation. Frankreichs Bilderwelten im europäischen Kontext von 1300 bis 1600, Heidelberg University Publishing, Heidelberg 2023.
Maskeraden der Macht. Verkleidung als Bildaufgabe am französischen Hof des 16. Jahrhunderts, in: Queerness in der Kunst der Frühen Neuzeit, hg. v. Lisa Hecht und Hendrik Ziegler, Wien/Köln 2023, S. 239-262.
Wo beginnt der Körper und endet das Kostüm? Feste am französischen Hof des 16. Jahrhunderts, in: Vormoderne Herrscherkörper im globalen Vergleich, hg. v. Jan Meister, Jonas Borsch, Basel 2024, S.185-210.
Kalkulierter Exzess. Frans Floris Göttermahl und das Antwerpener Publikum, in: Menschen und Meisterwerke im Dialogm hg. v. Stefan Albl, Graz 2025, S. 65-90.
PD Dr. Cornelia Logemann
Institut für Kunstgeschichte der LMU München
Zentnerstr. 31
80798 München
Erich Auerbach Institute for Advanced Studies
E-Mail: cornelia.logemann(at)kunstgeschichte.uni-muenchen(dot)de